Für den Frieden

Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg.

Gandhi

Frieden ist, wenn den Kindern bei dem Wort Feind nichts mehr einfällt.

Käufer

Wenn Frieden in jedem einzelnen Haus ist, ist Frieden im ganzen Land.

Brückner

„Kein Frieden ist mit Gewalt zu erhalten.“

Kelly

Zur Idee des Friedens

So wenig der Krieg eine „bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (Clausewitz) ist, so wenig ist der „Friede nur Pause zwischen Kriegen, nur Vorkriegs- oder Nachkriegszeit (Knorr). Weder im 20. Jahrhundert, das ein Jahrhundert der Kriege ist, noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da der Krieg vor dem Hintergrund der Globalisierung einen grundlegenden Formwandel markiert, ist der Zustand der Welt „der des Friedens, wie ihn der Pazifismus versteht, sondern nur der des Nichtkrieges.“ (Fried) Als Reaktion auf die Ächtung des Krieges firmiert der Frieden im Sinne des Völkerrechts primär als Prozessmuster eines internationalen Systems im Zustand ungebrochener Rechtsordnung zwischen Staaten und Völkern, das den Krieg zur Durchsetzung der Politik ausschließt. Demgegenüber definiert die kritische Friedensforschung der 1980er Jahre auf der Basis eines erweiterten Gewaltbegriffs Frieden „als Abwesenheit von personaler Gewalt und Abwesenheit von struktureller Gewalt. Wir bezeichnen diese beiden Formen als negativen Frieden bzw. positiven Frieden.“ (Galtung) Die Vision des positiven Friedens indiziert einen normativen Zielwert, der praktisch-politischem Handeln die Richtung zur Veränderung der politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit im Sinne der Überwindung struktureller Gewaltverhältnisse weist und darüber hinaus eine normative Friedensethik, eine alltägliche Friedenskultur und eine Erziehung zum Frieden einschließt. Das Zeitalter der „Neuen Kriege“ (Münkler), das Kriege entstaatlicht und brutalisiert, Kriegsmotive ökonomisiert und die Gewaltökonomien kriminalisiert, begründet einen eher engeren Friedensbegriff sowie eine modifizierte Friedenspolitik, die sowohl ökonomische, soziale, kulturelle, anthropologische und ethisch-moralische Bedingungen als auch insbesondere die spezifisch politische Dimension des Friedens berücksichtigen. „Die Realisierung einer befriedeten Welt wäre das Ende aller auf und hinter dem Rücken der Menschen sich abspielenden Politik.“ (Marcuse) Dass in einem friedlichen und ruhigen Dasein die Staatsbürger ein glückliches Leben in dieser Welt und die ewige Seligkeit erlangen, ist nachgerade aufgrund der drohenden Apokalypse eine legitime Option der Menschheit. „Das Recht des Friedens (…) besteht darin, dass man Wort hält und alle Menschen in den Genuss der natürlichen Rechte kommen lässt“ (Voltairte). Ebenso wie der Krieg Menschenwerk ist, ebenso erfordert die Einrichtung des Friedens den handelnden Menschen. „Der Friedenszustand unter Menschen, die neben einander leben, ist kein Naturzustand (…), der vielmehr ein Zustand des Krieges ist, d.i. wenn gleich nicht immer ein Ausbruch der Feindseligkeiten, doch immerwährende Bedrohung mit denselben. Er muss also gestiftet werden“ (Kant), damit „im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren internationales Prinzip der Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht – die Arbeit!“ (Marx) Auf die Frage: „Und was ist der Zweck des Friedens? gibt es keine Antwort. Friede ist etwas Absolutes“ (Arendt).

Krieg und Frieden in der Gegenwart

Die Welt ist kriegerischer geworden – nicht erst seit dem 11. September 2001. Die Regierenden auf beiden Seiten des Atlantik haben sich dem Schein der militärischen „Logik“ unterworfen. Nun müsse wieder Krieg sein, Krieg gegen den weltweiten Terrorismus. Und nach dem Krieg ist vor dem Krieg: schon wird in Talkshows laut darüber nachgedacht, ob nicht auch der Konflikt in Nahost mit Bomben und Raketen zu lösen sei. Millionen von Flüchtlingen bangen um ihr Leben. Die Furcht vor neuen Terroranschlägen grassiert. Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien sind aus Machtkalkül urplötzlich keine mehr.
Die Anzeichen verdichten sich: der Krieg wird über Afghanistan hinaus ausgeweitet. Der Präsident der USA spricht von der „Achse des Bösen“ und nennt als mögliche Angriffsziele Irak, Iran, Nordkorea und Somalia. Für solch „geopolitische“ Interessen wird auch ein Einsatz der Bundeswehr in Erwägung gezogen.

Längst gibt es andere Stimmen. Stimmen, die nachweisen, dass nicht der Terrorismus neu sei, sondern die Wucht, mit der die Attentäter von New York und Washington zuschlugen. Stimmen, die zu Besonnenheit und Mäßigung aufrufen; deren Entsetzen und Solidarität für die Opfer und deren Angehörige sich mit der Furcht vor dem Austauschen der Politik durch den Krieg verbindet; die darauf hinweisen, dass Gewalt nur weitere Gewalt auslöst und dass der einzige Weg zum Frieden der Dialog ist.

Damit rücken die großen Probleme der Welt ins Blickfeld: der ungelöste Nahost-Konflikt, die Ungerechtigkeiten der Globalisierung, das Verhältnis zwischen den Zivilisationen, die Frage nach Hegemonie, die Rolle der UNO, die Frage nach Frieden und Humanitas. Allesamt Probleme, die den aktuellen Zustand der Welt betreffen und ihn vor allem in Frage stellen. Auf der Tagesordnung steht wieder die Suche nach einer neuen Weltordnung. Einer Weltordnung in Freiheit, Frieden und Glück.

Unsere Position ist klar dabei: Wir wollen uns für eine Welt einsetzen, in der Frieden und Sicherheit durch Abrüstung, internationale Kooperation und soziale Gerechtigkeit erreicht wird – und nicht durch Eskalation und Vergeltung und Rache.

Kinder sind keine Soldaten
Veranstaltung am 27. Februar 2002

Der Krieg hat heute weite Teile der Welt fest im Griff – nicht erst seit Afghanistan. Krieg fungiert als Instrument zur Beseitigung sozialer, politischer, kultureller Krisen oder kultureller Differenzen. Oder aber einfach als Werkzeug zur Durchsetzung hegemonialer Interessen. Die Staaten der Welt rüsten weiter auf. Die USA steigern ihren Haushalt für Verteidigung im nächsten Jahr um 48 Milliarden Dollar, die stärkste Erhöhung seit 1982 (FR 6.2.2002). Auch die Bundesrepublik Deutschland wird ihre Ausgaben für die Bundeswehr merklich erhöhen. Und die EU macht sich mit dem Gedanken vertraut, erstmals in ihrer Geschichte eine Militäraktion zu übernehmen (FR 6.2.2002). Der Krieg ist salonfähig geworden. Der Krieg ist nicht nur die „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (Clausewitz); die Politik wird vielmehr abgelöst durch Krieg und Gewalt.

Weltweit gibt es im Jahre 2001 insgesamt 155 politische Konflikte. Fast jeder vierte davon, nämlich 38, wird überwiegend mit Gewalt ausgetragen (Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung). Die meisten Konflikte gibt es im Süden, in den sogenannten Entwicklungsländern: Sudan, Kolumbien, Sri Lanka. Aber auch in Europa finden solche kriegerischen Konflikte statt: Tschetschenien, Mazedonien, Kosovo. Die Opfer sind zumeist Zivilisten: Frauen, alte Menschen und – immer wieder -Kinder.

Auf Kinder nehmen Kriege keine Rücksicht. Kinder werden im Krieg gequält, verletzt, getötet. Allein in den letzten zehn Jahren starben zwei Millionen Jungen und Mädchen im Krieg. Mehr als sechs Millionen Kinder überlebten den Krieg nur mit schweren Verletzungen oder sind ihr Leben lang entstellt bzw. behindert. Zehn Millionen Kinder leiden aufgrund ihrer furchtbaren Kriegserlebnisse unter schweren Traumatisierungen. 20 Millionen Kinder mussten auf der Flucht vor Terror des Krieges ihr Zuhause verlassen. Sie verdursten, verhungern und leben als hilflose Waisen mit körperlichen und psychischen Verletzungen.

Aber Kinder kämpfen auch selbst. Als Soldaten, mit der Waffe in der Hand. In Armeen, Paramilitärs, Zivilmilizen. 300 000 Kinder sind heute weltweit an bewaffneten Kämpfen beteiligt. In Afghanistan und in 85 anderen Ländern (FR 13.6.2001). Die jüngsten sind nicht einmal acht Jahre alt. Sie werden entführt, gefoltert und zum Töten gezwungen. Kinder gelten als gute Kämpfer. Sie sind furchtlos, gehorsam und billiger. Häufig schließen sich die Kinder auch freiwillig der Armee an, um in Zeiten des Krieges das nackte Überleben zu sichern. Rekrutiert werden auch Mädchen. Für den Kampf oder als „Soldatenbräute“, die über Jahre skrupellos vergewaltigt werden. Kinder erfüllen Aufgaben als Boten, Lastenträger und als Spione. Oder sie werden ganz brutal als „Kanonenfutter“ an die Front geschickt oder als Minensucher „verheizt“.

Zum Morden gezwungen, sind Kinder Täter und Opfer zugleich. Nach Kriegsende interessiert sich niemand mehr für sie. Für sie ist es kaum möglich, in ein normales Leben zurück zu finden. Gelernt haben sie nur eins: nämlich Gewalt anzuwenden.

Die Empörung gegen diesen Missbrauch von Kindern als Zielscheibe und als kleine Killer wächst. Die Vereinten Nationen haben einen Anlauf unternommen, das Mindestalter für Soldaten weltweit von 15 auf 18 Jahre anzuheben (FR 11.1.2000). 80 Länder haben einen neuen Vertrag über das Verbot von Kindern als Soldaten unterzeichnet; ratifiziert wurde dieser Kontrakt dagegen nur von fünf Staaten (FR 13.6.2001). Gegen diese Anhebung sträuben sich vor allem die USA, Großbritannien, Kanada, Iran, Kuba und Pakistan. Auch die Bundeswehr hat ca. 300 Dienstleistende im Alter von 17 Jahren (FR 6.6.2001). Dagegen haben Menschenrechtsorganisationen eine internationale Allianz gebildet. „Stop the use of Child Soldiers“ fordert die Unterzeichnung des internationalen Vertrages durch alle Länder, auch durch die Bundesrepublik Deutschland, und sie fordert die Befreiung aller Kindersoldaten mit dem Ziel, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Das besondere Leid von Kindern im Krieg möchten wir mit unserer Veranstaltung „Kinder sind keine Soldarten“ ins Bewußtsein der Menschen, insbesondere unserer Schülerinnen, heben. Wir wollen auf die Unmenschlichkeit des Krieges hinweisen. Und wir wollen darauf aufmerksam machen, wie die Schwächsten der Schwachen, kleine und wehrlose Kinder, wegen politischer, ökonomischer und militärischer Interessen missbraucht und in den Tod geschickt werden.

Mehr Informationen

Lesetips

  • terre des hommes: Alptraum ohne Ende. Kinder zwischen den Fronten
  • terre des hommes: Alptraum ohne Ende. Kinder und Krieg
  • terre des hommes: Kindersoldaten Kampagne

Videotip

  • Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit: Ich habe getötet. Von Alice Schmid

Ausstellungstip

  • UNICEF: „Kindersoldaten – Kindheit an der Front“